Schlossfestspiele Piber
Der eingebildete Kranke

Im Original Le Malade imaginaire ist eines der berühmtesten Theaterstücke und gleichzeitig auch das letzte Werk von Molière. Das Stück wurde am 10. Februar 1673 im Pariser Palais Royal uraufgeführt.
Es handelt vom Hypochonder Argan, der sich nur einbildet, krank zu sein. So zieht er diverse quacksalbernde Ärzte zu Rate, die ihm überflüssige Behandlungen gegen überteuerte Rechnungen verschreiben. Argan möchte, aus rein eigennützigen Motiven, dass seine Tochter Angelique den Thomas Diafoirus, einen frisch gebackenen Doktor der Medizin, heiratet. Angelique ist jedoch in Cléante verliebt. Argans Hausmädchen Toinette unternimmt mehrere Versuche, Argan von seiner Arzt-Besessenheit zu heilen. Schließlich versucht sie Ihn zu überreden, sich tot zu stellen, um die wahre Liebe seiner Tochter und die Geldgier seiner erbschleichenden zweiten Frau zu erkennen.
„Der eingebildete Kranke“ ist eine bitterböse Farce auf das Geschäft mit Krankheit und auf die Angst vor dem Tod. Das grandiose Spiel um Gesundheit und Krankheit, Hypochondrie und Todesangst macht Molières letzte Komödie auch heute noch zu einem seiner erfolgreichsten Stücke. Von tragischer Ironie ist es, dass Molière selbst, als er den Argan spielte, kurz nach der vierten Vorstellung noch in seinem Kostüm starb.
Jean Baptiste Molière

*15.01.1622 in Paris †17.02.1673 in Paris
Jean-Baptiste Molière gilt als Schöpfer der französischen Charakterkomödie und stand in den meisten seiner Stücke selbst auf der Bühne.
Molière teilt es mit Shakespeare, dass bis auf einige Unterschriften keine Zeile seiner Hand, kein Manuskript, kein Brief überliefert worden ist. Bekanntlich ist der Name Molière nur ein Pseudonym, das der Schauspieler annahm. Der entrüstete Vater musste es erleben, dass sein ältester Sohn nach kostspieligem Studium 1643 zu den verachteten Komödianten abschwenkte. Aus dem Tapezierer Sohn Jean-Baptiste Poquelin wurde der Schauspieler Sieur de Molière, dessen Name zum ersten Mal in einer Urkunde des Jahres 1644 auftaucht. Im Wagemut der Jugend gründete er mit seiner Geliebten Madeleine Béjart und anderen jungen Leuten in Paris eine neue Bühne, das “Illustre Théâtre”. Nach knapp eineinhalb Jahren brach das “hochberühmte” Theater zusammen. Molière zog von 1646 bis 1658 als Mitglied der „Du Fresneschen Truppe“ durch das Land, lernte dabei fast ganz Frankreich und Menschen aus allen Schichten kennen.
Nachdem Molière sein Handwerk als Schauspieler, Theaterdirektor und schließlich auch Autor von Grund auf lernte, macht er, besser gerüstet als vor 14 Jahren, einen zweiten Versuch, Paris zu erobern. Er gastierte 1658 in Rouen und kam hier in Kontakt mit „Monsieur“ dem jüngeren Bruder von Ludwig XIV. Herzog Philippe I. d’Orléans. Dieser lud die Truppe an den Hof nach Paris. Dem jungen, gerade erst 20-jährigen König gefiel das Spiel so sehr, dass er der Truppe erlaubte, im Saal des an den Louvre grenzenden Petit-Bourbon zu spielen. Im Mai 1664 avanciert Molière zum Vergnügungsdirektor Ludwigs XIV. und spielte von nun an im Palais-Royal. Hier kamen all die über dreißig Werke von Molière zur Aufführung, auf die noch heute ganz Frankreich stolz ist.

1659 Die lächerlichen Preziösen
Les Précieuses ridicules
„Wer so spricht, dass er verstanden wird, spricht gut.“
Theater Absolut

1666 Der Arzt wider Willen
Le Médecin malgré lui
“Dort wo die Ziege angebunden ist, muss sie wohl oder übel grasen.”
Theater Absolut

1670 Der Bürger als Edelmann
Le Bourgeois Gentilhomme
1970 Grundlage für eine Oper von Fritz Geißler
Theater Absolut

1672 Die gelehrten Frauen
Les Femmes savantes
“Der Weise ist auf alle Ereignisse vorbereitet.”
Theater Absolut
Weitere Werke und Zitate des Dramatikers
1662 Die Schule der Frauen
„Abhängigkeit ist das Los der Frauen; Macht ist, wo die Bärte sind.”
1665 Don Juan oder Der steinerne Gast
„Schließlich gibt es nichts Schöneres, als über den Widerstand einer
schönen Frau zu triumphieren.”
1666 Der Menschenfeind
„Man kann ein anständiger Mensch sein und doch schlechte Verse machen.“
„Wer aller Menschen Freund, der ist der meine nicht.“
1668 Der Geizige
“Man isst um zu leben und lebt nicht, um zu essen.”
1668 Amphitryon
„Ein angenehmes Laster ist einer langweiligen Tugend bei weitem vorzuziehen.”
1669 Der Tartuffe oder Der Betrüger
„Die Neider sterben, nimmer stirbt der Neid.”
„Der Mensch ist, ich gesteh’ es Euch, ein böses Lebenwesen.“
1671 Scapins Schelmenstreiche
“Man muss sich besiegen lassen und Menschlichkeit haben.”
“Einen Prozess führen zu müssen, heißt schon auf dieser Welt verdammt sein“
1672 Die gelehrten Frauen „Ich liebe die Bequemlichkeit und finde es äußerst mühsam, geistreich sein zu müssen.”
„Ich lebe von guter Suppe und nicht von schöner Rede.”

„Mögen wir noch so viele gute Eigenschaften haben, die Welt achtet vor allem auf unsere schlechten.“
„Ein gelehrter Dummkopf ist ein größerer Dummkopf als ein unwissender Dummkopf.“
„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“
„Je mehr wir einen Menschen lieben, desto weniger sollten wir ihm schmeicheln.“
Theater Absolut